Ewig lacht das Timmelsjoch, der Rettenbach Gletscher, das Inntal und Seefeld…

DIE ÖTZTAL CLASSIC

So in der Mitte der Oldtimer Jahreszeit, also Anfang August, hat man als Liebhaber klassischer Fahrzeuge die größte Auswahl an Oldtimer Veranstaltungen. Was ist der Reiz sich für jene zu entscheiden oder für die andere? Warum sollte man einmal bei der Ötztal Classic dabei gewesen sein? Das Ötztal, ja, steht für Skifahren, Radfahren, Bergsteigen, Kulinarik, Natur. Aber im Ötztal leben wohl auch die motorsportverrücktesten Menschen. Sie leben Motorsport in allen Nuancen. Jung und alt ist infiziert.

Das war die 22. Ötztal Classic vom 06. bis 08. August 2020

Den Blick immer nach vorne, neue Ideen, neue Strecken, verbunden mit immer neuen und geänderten und größeren Herausforderungen, das ist die Kurzbeschreibung der jährlichen und mittlerweile bereits 22. ÖTZTAL CLASSIC.

22. Ötztal-Classic strahlt mir der Bergsonne um die Wette

Die Siegerehrung in Hochötz begann mit dem prachtvollen und farbenfrohen Sonnenuntergang. Die Teilnehmer hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen, nicht mehr bei dem geschmackvoll zubereiteten Classic-Dinner. Die meisten Starter kamen vom Flachland, alle standen an der westlichen Barriere auf der Terrasse der Kristall Bar in knapp über 2000m in Hochötz und fotografierten mit Handys und allem was irgendwie nach Erinnerungsfotos aussah. Erst als die Sonne erloschen war glänzen die Preisgewinner in den sechs Kategorien um die Wette.

Alles begann am Donnerstag, 6. August mit der Imster Runde über 73 Kilometer. Gleich vom ersten Kilometer an setzte das spätere Gesamtsieger Team Peter Holaschke und Co-Pilot Paul Holaschke mit ihrem Porsche 911 SC 3,0 Bj. 1980 ihre Duftmarken. Am Freitag wurde die Ötztal-Classic mit der Arlberg-Außerfern Runde über 180 Km fortgesetzt.

Den enorm hohen Lufttemperaturen geschuldet „schwitzten die alten Schnauferln“ ihr kochend heißes Kühlwasser aus allen Schläuchen als es über die drei Pässe – Arlberg-Flexen und zum krönenden Abschluss noch über das Hahntennjoch zurück nach Ötz ging. Als kleine Überraschung besuchten die 90 Teilnehmer den kleinen Außerferner Ort Kaisers. Die enge, 4,5 Km lange Bergstraße und der romantische einspurige Tunnel verlangte von allen Teilnehmern die volle Konzentration. „Tirol bei der Ötztal-Classic in all seinen Facetten kennenlernen“, das gab der Obmann des Oldtimer Club Ötztal als Motto für die Starter aus fünf Nationen aus. Überall entlang der Strecke standen Besucher mit Starterlisten am Straßenrand und applaudierten den vorbeifahrenden Teilnehmern. Fachkundige Kommentare konnte man hören: „Da kommt aber noch der in Martini Racing lackierte Lancia Delta Gruppe A mit 330 PS.“ Ein andere wusste: „Die Startnummer 72 ist ein ganz seltener Lotus Eclat S2 Riviera Bj. 1982 von dem lediglich 152 Stück gebaut wurden“. Olympiasieger Patrick Ortlieb verblüffte das Publikum als er anstelle mit seinem Jaguar E-Type mit einem feuerrotem Porsche 356 angerauscht kam. Gesamtrang 11 ist eine Topleistung für den Hotelier aus Lech und seiner Frau Kathrin. Die abschließende Inntal Runde am Samstag beinhaltete 20 Wertungsprüfungen, die auf 156 Km verteilt wurden. Von Ötz ging es über das Mieminger Plateau, Telfs nach Leutasch und Seefeld. Die 18 % steil abfallende Rampe, den Zirler Berg hinunter, stellte die Vorkriegs Autos auf eine harte Probe. Alles ging glatt.

Als Belohnung war der Mittagsstopp im Bergisel Stadion eingeplant. Die mächtige und beeindruckende Sprungschanze wurde für die Classic Teilnehmer mit Leben gefüllt, denn einige ÖSV Adler zeigten weite Showsprünge. Diesmal applaudierten die Oldtimerfahrer den wagemutigen Athleten. Am Nachmittag des Schlusstages stand wieder eine Strecke durch ein Tiroler Kleinod auf dem Programm. Durch Natters, Mutters, Axams, Kematen ging es nach Ranggen nach Oberperfuss den steilen Berghang hinunter nach Sellrain. Ins Kühtai hinauf gab es plötzlich kein Weiterkommen. Pferde und Kühe neben und auf der Straße sorgten für einzigartige Erlebnisse und zahlreiche Fotostopp waren die Folge. Da hielt auch Bruno Bagnara aus Italien, dem Piloten des vermeidlich, wertvollsten Autos, einem Lancia Aurelia B24 Convertible Cabrio Bj. 1958, sein Gefährt an, um das eine oder andere Erinnerungsfoto zu knipsen. Dieser Lancia wird mit mehr als einer Million Euro gehandelt.

Nach 411 Kilometern und 49 Wertungsprüfungen kamen von den 90 gemeldeten Fahrzeugen 84 gut durch Tirol, die meisten von ihnen haben sich spontan entschieden auch an der 23. Ötztal-Classic 2021 teilzunehmen. Ein größeres Lob kann man dem Veranstalter, und dem Rennleiter Gerhard Holzknecht vom Oldtimer Club Ötztal nicht machen.


Die 22. Ötztal-Classic in Zahlen

Die Klassen Podium:
Bj. bis 1960 1. Thomas Müller/ Ruth Calonder Triumph Tr3 Bj 1957 aus der Schweiz
2. Robert Oberhofer/ Michaela Birk Mercedes 190 SL Cabrio Bj. 1957 Mils – A
3. Carlos Rieder/ Heinz Hohl auf Buick Century 66S Bj 1939 aus der Schweiz

Bj1961 -1970 1. Michael Bailer/ Barbara Bailer Volvo 1800 P Bj 1966 Wien- A
2. Armin Faltermeier/ Kirsten Faltermeier Mercedes 250 SL Bj. 1967 Bayern
3. Patrick Ortlieb/ Kathrin Ortlieb Porsche 365 C Bj. 1964 Lech-A

Bj 1971-1980 1. Peter Holaschke/ Paul Holaschke Porsche 911 SC Bj 1980 Krems – A
2. Leopold Umshaus/ Peter Pungersek Mercedes 350 SL Bj 1972 Vösendorf-A
3. Harald Kilzer/ Samuel und Laurenz Kilzer Daimler Benz 8W115 Bj 1971 A

Bj 1981-1990 1. Gerald Orlik/ Lennart Orlik Lotus Eclat S2 Riviera Bj 1981 Gevelsberg/ GER
2. Christian Verschl/ Britta Verschl Porsche 924 Carrera GT Bj 1981 Landshut – GER
3. Peter Simon/ Karl Rüsch Mercedes 380 SL Bj 1985 Wiesendangen – SUI

Bj 1991 + 1. Michael Röhr/ Hildgard Röhr Audi Quattro Editione Speciale Kirchdorf – GER
2. Anton Reithmayr/ Daniel Reithmayr BMW 325 IX Urfahr – A
3. Erich Kobatschka/ Gabriele Kobatschka Porsche 911 Carrera 3,2 Berndorf – A

Gesamtwertung
1. Peter Holaschke/ Paul Holaschke Porsche 911 SC Bj 1980 Krems – A
2. Michael Bailer/ Barbara Bailer Volvo 1800 P Bj 1966 Wien- A
3. Thomas Müller/ Ruth Calonder Triumph Tr3 Bj 1957 aus der Schweiz

Die Ötztal Classic!

Die Herausforderungen bei der ÖTZTAL CLASSIC sind enorm. Geht es doch auf fast 3.000 m hinauf, und man fährt über historischen, weil umkämpften Boden in der Innsbrucker Altstadt. Die Ötztal Classic ist längst mehr als eine Ötztaler Angelegenheit, halb Tirol ist eingebunden.  Im Herzen geht es aber darum unsere Liebhaberstücke auszuführen, diese einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, und mit Stolz darauf zu verweisen, dass diese historischen Schmuckstücke ein besonderes Kulturgut der Menschheit sind.

Ein alpines Hörspiel der Motoren – energiegeladen für alle Sinne

Das Ötztal hat in Sachen Motorsport eine alte Tradition. Allen voran die Bewerbe zur Bergeuropameisterschaft in den 1960er Jahren, als die besten Fahrer der Welt die Timmelsjochstraße hinauf glühten und wir als kleine Buben mit offenen Mund in den Garagen der Rennteams herumstrolchten. Diese Zeit ist unvergessen, auch wenn ein damaliger Sieger, Jochen Rindt nicht mehr unter uns ist, so bleibt er, besonders sein Fahrstil unvergessen. Bei der Ötztal Classic geht es zwar nicht um reine Geschwindigkeit, aber tummeln muss man sich auf den kurvenreichen und mit Serpentinen gespickten Bergstraßen allemal, will man mit möglichst wenig Strafpunkten den Bewerb bestehen.

Prächtige Entwicklung der ÖTZTAL CLASSIC

Vier unterschiedliche Konzepte kamen bisher bei der Ötztal Classic zur Anwendung: Gletscherprüfung – klassische Ötztaler Runde übers Timmelsjoch – idyllische Sternfahrt in die Ötztaler Seitentäler – Besuch historischer Bauten in Tirol. Die Streckenvarianten reichen mittlerweile von Südtirol bis Seefeld und in die Innsbrucker Innenstadt und bieten den Teilnehmern neben dem ungebrochenen Fahrspaß in gepflegten Oldtimern vor allem auch ein abwechslungsreiches Erleben Tiroler Kulinarik und Historik in Verbindung mit der Tiroler Bergwelt – vom ewigen Eis bis zu den grünen Tallandschaften.

Als Fixpunkt im Programm hat sich der ORTS GRAND PRIX im ehrwürdigen alten Dorfkern von Oetz etabliert. Diese Teilveranstaltung ist deeeer Publikumsmagnet der ÖTZTAL CLASSIC. Regelmäßig kommen dazu rund 4.000 Zuschauer die sich die wertvollen, ja oft einzigartigen Gefährte aus nächster Nähe anschauen, sogar studieren und den auskunftsfreudigen Piloten Löcher in den Bauch fragen.

Eine Rallye für Experten und Amateure